Sage über den Suckowschen Kammerherrn

Qelle:
http://www.uckermark.de/kultur/sagen/Sagen_Sukkow.htm

 

Sagen und Geschichten - Suckow

Der Suckowsche Kammerherr

Der Suckowsche Kammerherr hatte eine alte Bibel - sie soll noch bis auf den heutigen Tag im Schlosse liegen - , die war mit Ketten verschlossen. Das war auch nötig, denn darin befinden sich alle sieben Bücher Mosis und darunter auch die zwei, die in den gewöhnlichen Bibeln fehlen, und in denen, wie die Leute ja behaupten, das rechte Zauberzeug steht. Die Schrift des Buches ist aber schon ganz vergilbt und kaum noch lesbar. Daraus hat der Suckowsche Kammerherr seine Kunst entnommen. Einige Hauptstücke hat er freilich vom Müller Pumpfuß gelernt. Das war ein Müller in der Gegend von Gramzow und einer der größten Tausendkünstler, die es je gegeben. Mit dem ist aber der Suckowsche Kammerherr so zusammengekommen. Er fuhr einmal eines Abends spät nach Hause zurück, und wie er an einen Hohlweg kam, wollten die Pferde nicht weiter und blieben vor einem dunklen Gegenstande, der quer über dem Wege lag, stehen; das war aber Pumpfuß, der hatte sich dort hingelegt und tat, als höre er weder Wagen noch Pferde. Der Kutscher, welcher glaubte, es wäre ein Trunkener, stieg ab, um ihm auf die Beine zu helfen, aber Pumpfuß rückte und rührte sich nicht und machte sich steif wie ein Baumstamm. Da ward der alte Kammerherr zornig und befahl dem Kutscher wieder aufzusteigen und über den Kerl, wenn er denn gar nicht aufstehen wollte, fortzufahren.

Der stieg auch auf, aber soviel er auch auf die Pferde lospeitschte, sie gingen nicht vorwärts, und der Wagen rührte sich nicht von der Stelle. Da merkte der Kammerherr, daß der Wagen festgemacht sei - das war auch so ein altes Zauberstück - und hieß den Kutscher noch einmal vom Bock herunterzusteigen und den Kerl fragen, wer er eigentlich sei, und was er wolle. Als er nun hörte, daß es Pumpfuß sei, fragte er; "Den habe ich lange gesucht," und hieß ihn in seinen Wagen steigen und mit auf sein Schloß zu fahren, damit er ihn alles lehre, was er könne. Das tat denn auch Pumpfuß, und so lernte der Kammerherr alles von ihm, was er wissen wollte. Als er nun nach einiger Zeit glaubte, alles zu können, fragte er seinen Lehrmeister, ob er ihm auch alles, was er wisse, gezeigt habe. Als nun Pumpfuß das bejahte, ließ er einen Scharfrichter kommen, der sollte ihm den Kopf abschlagen, damit er keinen weiter das lehren könne, was er ihm gelehrt. Pumpfuß tat, als wenn gar nichts geschehen wäre, und ihn die Sache gar nichts weiter anginge. Als aber der Scharfrichter zuhauen will und schon den Arm mit dem Beil hebt, siehe, da bleibt ihm plötzlich Arm und Beil in der Luft stehen - er ist festgemacht. Da lachte Pumpfuß und sagte: "Das Kunststück habe ich noch für mich behalten," und ging ungefährdet seiner Wege. Der Kammerherr aber war schließlich noch froh, daß er ihn so ohne weiteres losgeworden.

Einige erzählen diese Zaubergeschichten vom Markgrafen Karl, der zur Zeit des alten Fritz lebte, wieder andere vom Suckowschen Kammerherrn, einem aus der Familie der Arnims, die in sehr großer Zahl im westlichen Teil der Uckermark ansässig sind. Dem Suckowschen Kammerherrn soll auch einmal ein Bauer aus Flieth nachgefahren sein, wie er so über das Wasser dahinfuhr. Auf dem Wasser sagte der Suckowsche Kammerherr nichts, aber den anderen Tag ließ er sich den Bauer auf sein Schloß kommen und fragte ihn, wie er sich hätte unterstehen können, ihm nachzufahren. "I," sagte der Bauer, "da fahre ich ja schon länger als Sie, gnädiger Herr." "So," sagte der Kammerherr, "das wird sich bald zeigen, ob du auch solche Kunst verstehst," und hieß ihn am folgenden Tage wieder auf das Schloß kommen.

Als nun der Bauer sich einfand, setzte er ihm Fische vor. Der Kammerherr schälte das Fleisch fein säuberlich von seinen Fischen ab, so daß der Kopf und Gräten unversehrt blieben, dann setzte er diese ins Wasser, und da waren die Fische wieder lebendig und schwammen lustig davon. Nun forderte er den Bauer auf, ihm das nachzumachen. "Ach," sagte der Bauer, das ist ja gar nichts, gnädiger Herr," und nahm einen Fisch und zerbiß ihn kurz und klein, daß auch nicht die kleinste Gräte ganz blieb, dann spie er den ganzen Klumpen ins Wasser und siehe da! auch sein Fisch war wieder lebendig und schwamm davon, da merkte denn der Kammerherr, daß jener mehr könne als Brotessen, und ließ ihn ruhig gehen.

Quelle:
Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922